Ich bin so müde. Ich bin schon lange müde.
Ich denke, wir alle sind schon lange müde.
Müde von Lippenbekenntnissen, während Gelder für Community-Projekte gestrichen werden, während wir diffamiert werden.
Ein „Anschlag auf uns alle“, wenn es doch ein Anschlag auf uns war. Auf queere Menschen.
All das, und was den Meisten einfällt ist ein leeres „Love is Love“. Love should be love. Aber ist es nicht. Was nützt Love is Love trans*, inter*, nichtbinären und aro/ace Personen? Es ging nie nur um Liebe. Aber nicht mal das gesteht man uns zu. Keine Liebe, kein Feiern.
Und doch hat der Alltagstrott uns wieder. Lohnarbeit, Studium, Schule. Nicht, dass das etwas Neues wäre. Es sterben tagtäglich Menschen, es werden tagtäglich Menschen ermordet. Weil sie queer sind, weil sie marginalisiert sind.
Und trotzdem wünsche ich uns ein Innehalten. Einen Moment der Ruhe. Auch, wenn wir nicht in Berlin waren, denke ich, teilen wir die Ängste. Den Schmerz.
Denn wie kann es sein, dass ein Mensch ermordet wird, einfach fürs sein? Wie kann es sein, dass an einem Tag, wo wir uns frei und kämpferisch fühlen, wo wir zusammenstehen, uns doch wieder vor Augen gehalten wird, wie sich Ohnmacht anfühlen kann?
Ich bin kein besonders spiritueller Mensch, aber ich wünsche mir doch, dass nach dem Tod vielleicht noch mehr ist. Für die Person, die ermordet wurde, an einem Ort, wo sie sich sicher fühlen, wo sie sicher sein sollte.
Ich kenne deinen Namen nicht, aber möge die Erde dir leicht sein. Ich wünsche es mir, für dich, für alle vor und alle nach dir.
Und ich wünsche uns eine gerechtere Welt, eine sanftere Welt. Und ich hoffe, wir werden Seite an Seite dafür kämpfen. Denn ich möchte mich nicht für rassistische Zwecke instrumentalisieren lassen. Meine Freiheit wurde mir nicht durch den Staat geschenkt, sondern sie wurde erkämpft, von anderen queeren, insbesondere mehrfach-diskriminierten, Menschen vor mir.
Meine Freiheit wird mir nicht durch migrantische Personen genommen, sondern durch einen Staat, der das Selbstbestimmungsgesetz zur Kriminalisierung nutzen möchte. Meine Sicherheit wird nicht durch eine Polizei garantiert, deren Fokus auf der Kriminalisierung von queerem Protest liegt. Eine Polizei, deren Vorgehen in mehreren Verfahren als unverhältnismäßig beschrieben wird, und die trotzdem damit fortfährt. Eine Polizei, die von rechtsextremen Strukturen durchzogen ist, in der ein Einzelfall den nächsten jagt.
Ich möchte nicht von Parteien für Kampagnen instrumentalisiert werden. Denn woher kommen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Eskalation und Gewalt schüren? Wer bestimmt den Diskurs, wer verschiebt die Grenze des Sagbaren? Wer ist der Meinung, Vielfalt sei es nicht wert, gefördert und damit erhalten zu werden?
Wir sind nicht wütend genug.
I’m so tired. I’ve been tired for a long time.
I think we’ve all been tired for a long time.
Tired of lip service, while funding for queer community projects is cut and we’re being defamed by government officials.
Tired of an attack on queer people becoming an “attack on all of us”.
And most people can come up with an empty “Love is Love“ at best. Love should be love. But it isn’t. What good is “Love is Love” to trans*, inter*, non-binary, and aro/ace people, anyway? Our fight was never just about love. And yet, they won’t even grant us that. No love, no celebration.
Despite everything, we keep going and the daily grind has us back in its grip. Wage labor, college, school. Not that this is anything new. People die every day; people are murdered every day. Because they’re queer, because they’re marginalized.
And yet, I wish for us to pause. I want us to have a moment of respite. Even if we weren’t in Berlin, I think we share the fears and the pain.
After all, how can it be that a person is murdered simply for being who they are? How can it be that on a day when we are supposed to feel free and unstoppable, when we stand together, we are once again confronted with the reality of powerlessness?
I’m not a particularly spiritual person, but I do hope that there might be something more after death. For the person who was murdered, in a place where they felt safe, where they should have been safe.
I don’t know your name, but may you rest easy and find solace. I hope so, for you, for everyone before you, and for everyone after you.
And for us I want a more just world, a gentler world. And I hope we’ll fight for it side by side. Because I don’t want to be exploited for racist purposes. My freedom wasn’t granted to me by the state—it was fought for by other queer people, especially those who faced multiple forms of discrimination, who came before me.
My freedom is not being taken away by immigrants, but by a state that wants to use the Self-Determination Act to criminalize people. My safety is not guaranteed by a police force whose focus is on criminalizing queer protest—a police force whose actions have been described as disproportionate in multiple legal proceedings, which continues to act this way despite that. A police force riddled with far-right structures, where one „self contained incident“ follows another.
I do not want to be exploited by political parties for their campaigns. For where do the social conditions that fuel escalation and violence come from? Who shapes the discourse, who moves the boundaries of what can be said? Who believes that diversity is not worth financially supporting and thus preserving?
We are not angry enough.