Inhaltsverzeichnis
Bahnhofsvorplatz:
1. Schon immer da, für immer hier von Pride Greifswald
2. Rede von Leonie
3. Rede von rat+tat
Mühlentor:
4. Patriarchat, Rassismus, Ableismus und die Fetischisierung ihrer Opfer von trans* in Greifswald
5. Rede vom Poly*-Treff
6. Über Geschichten und Geschichte von Qube
Kapaunenstraße:
7. Rede von der tin* Beratungsstelle
Bahnhofsvorplatz:
8. Rede vom Schulstreikbündnis Greifswald
9. Rede von PaliSoli
Schon immer da, für immer hier
von Pride Greifswald
Liebe Freund*innen, Mitkämpfende, Unterstützende!
Nachdem dieses Jahr unsere Pride auf heute verschoben wurde heißen wir euch alle herzlich Willkommen. Unter dem Motto “Schon immer da – für immer hier” wollen wir heute mit unserem Redebeitrag die Pride einleiten und freuen uns auch auf die weiteren Beiträge, die heute gehalten werden.
Wir stehen auf den Schultern vieler Generationen von queeren Menschen. Von der AfD und anderen konservativen, rechten Gruppen wird die LGBTQ+-Bewegung häufig als etwas Neues, Fremdes oder Unnatürliches hingestellt, als wäre Queerness ein neues Phänomen. Unsere Existenz wird als jugendlicher Trend dargestellt. Etwas, womit wir die Kinder von heute angeblich indoktrinieren würden. Doch das verleugnet unsere Geschichte.
Vielen wird die Geschichte der Stonewall Riots in den USA bekannt sein. Ein Grundstein für heutige Prides, ohne den wir nicht hier stünden. Queere People of Color erkämpften sich ihre Menschenrechte in New York und es bewegte die ganze Welt. Doch auch lange davor haben queere Menschen auf der ganzen Welt existiert . Wir möchten heute an einige Akteur*innen erinnern, die uns räumlich näher stehen.
Gehen wir zum Beispiel zurück in die Zeit der Weimarer Republik, wo in den 1920er Jahren eine trans Frau namens Toni Simon in Essen ein Café betrieb, in dem Menschen miteinander tanzen durften, unabhängig des Geschlechts. Sie hatte durch einen sogenannten Transvestitenschein eine Erlaubnis bekommen, Frauenkleider zu tragen. Vom Nationalsozialismus verfolgt musste sie später flüchten und sich ihr Leben woanders wieder aufbauen.
Johanna “Otto” Kohlmann und Sophie Gotthardt waren zwei Sexarbeiterinnen in Hamburg. Sie waren ein lesbisches Paar, das auch unter dem Nationalsozialismus verfolgt wurde und im KZ Ravensbrück inhaftiert wurde. Ein Schicksal, das auch über 50.000 andere homosexuelle und trans Menschen erleiden mussten. Die Rehabilitierung und Entschädigung der queeren Opfer der NS-Zeit brauchte dabei viele Jahrzehnte und konnte teilweise nicht mehr zu Lebzeiten stattfinden.
Einigen Leuten könnte Magnus Hirschfeld ein Begriff sein, ein Pionier der Sexualwissenschaft. In seiner Arbeit hatte er schon damals sexuelle Zwischenstufen und Geschlechtsidentitäten untersucht und wurde deshalb vom Nationalsozialismus verfolgt. Sein Institut wurde zerstört vieles von seiner Forschung für Jahre vergessen. Schon damals war von sogenannten “cissexuellen” und “transsexuellen” Menschen die Rede.
Unterschiedliche queere Zeitschriften hatten damals vor der NS-Zeit auch existiert: Die Freundin, Der Eigene und Die Freundschaft, um nur einige zu nennen.
Der Nationalsozialismus hat vieles zerstört, vieles an queerer Forschung, queerem Leben. Die Existenz derer zu leugnen, die schon damals durch ihre queere Identität und Lebensweise verfolgt wurden, leugnet somit auch die Nazi-Verbrechen an ihnen.
Wir wollen hier aber nicht nur erzählen, was wir verloren haben. Wir haben vieles verloren. Vieles an Wissen, vieles an Leben und viele Menschen. Nach dem Krieg waren immer noch Gesetze in Kraft, die queere Menschen unterdrückt haben. Und doch haben immer wieder Menschen für ihre Rechte gekämpft.
Die Rote Zelle Schwul, auch RotZSchwul genannt, war beispielweise eine studentische Gruppe aus Frankfurt, die in den 70er Jahren für die Sichtbarkeit der Homosexualität gekämpft hat. In Münster hatten sie 1972 auf der ersten schwul-lesbischen Demo der BRD ein Plakat mitgeführt, auf dem es hieß: “Brüder und Schwestern, warm oder nicht. Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht!”
In der DDR wurde mit den Ost-Lesben 1989 die “Lila Offensive” gegründet, eine aktivistische Frauengruppe, die in Ost-Berlin unter anderem Demonstrationen auf die Beine stellte. Unter anderen an der Gründung beteiligt war zum Beispiel der ehemalige Politiker Christian Schenk, der sich 2002 als trans Mann outete.
Wir könnten so viele weitere Geschichten erzählen, doch das würde den Rahmen hier sprengen. Trotzdem wollten wir uns zumindest kurz die Zeit nehmen, diese Menschen und Gruppen zu erwähnen.
Dieser Geschichtsexkurs sollte uns einiges zeigen. Erstens: queere Menschen, homosexuelle Menschen, trans Menschen hat es schon immer gegeben. Zweitens: Schon immer war die Existenz dieser Menschen unbequem gewesen. Insbesondere in Zeiten des Faschismus. Unsere Existenz, egal ob wir laut sind oder leise, wird von Rechten als Bedrohung wahrgenommen. Denn wir stellen Normen infrage, Unterdrückung infrage. Und das nicht erst seit fünf Jahren oder zehn Jahren.
Also was können wir aus der Geschichte lernen? Was brauchen wir in einer Zeit, in der die AfD stärker ist als je zuvor und andere Parteien ebenfalls Stück für Stück nach rechts wandern?
Wir brauchen queere Räume. Wir müssen Räume einnehmen und gestalten, auch unabhängig von staatlicher Förderung. Wir müssen uns vernetzen, Gespräche miteinander führen. Vereine und Freund*innenkreise stärken.
Wir brauchen queere Bildung, Forschung, Wissenschaft, aber auch Kunst und Kultur. Die Verbreitung und das Teilen von Ressourcen. Wir haben heute selbst einige queere Magazine dabei, die jetzt nicht tagesaktuell sind, aber euch gerne inspirieren können, wenn ihr mögt. Auch online kann es helfen queere Medien zu konsumieren, sie zu teilen.
Repräsentation und Sichtbarkeit sind zentral. Nicht nur in Medien oder online, auch im täglichen Leben. Wir wissen, dass ein Coming Out auch heute noch keine Selbstverständlichkeit ist. Viele Queers sind nicht in der Lage, sich in ihrem Umfeld sicher outen zu können. Und doch wollen wir euch ermutigen, wenn ihr euch damit nicht in unmittelbare Gefahr begebt, euch im Alltag zu outen, euch zu zeigen. Mit Menschen in den Austausch zu gehen, die wenig Bezug zu Queerness haben. In Zeiten der Aids-Krise zum Beispiel hat die zunehmende Sichtbarkeit von homosexuellen Menschen dazu geführt, dass sich die Gesellschaft an deren Existenz gewöhnen musste. Auch heute sind wir für viele sind wir noch ein fremdes Konzept. Natürlich wissen wir, dass ein Outing viel Kraft erfordert, deswegen: vergesst dabei nicht, auf euch selbst und eure Sicherheit zu achten.
Wir müssen auch die Privilegien nutzen, die wir haben, um mehrfach marginalisierte Gruppen zu stärken. Uns muss bewusst sein, dass jede Lebensrealität von queeren Personen anders sein kann. Dass viele queere Personen zusätzlich auch von Rassismus, Sexismus, Ableismus und anderen Diskriminierungen betroffen sein können.
Wir müssen uns solidarisch verhalten und nicht andere queere Personengruppen abwerten, um unser eigenes Ansehen hochzuhalten. Bewusst queerfeindlichen Gruppen und Menschen ist es am Ende egal, wenn zum Beispiel ein nicht-heterosexueller Rechter auch trans Personen hasst. Für sie sind wir alle in einem Topf.
Daher vergesst auch nie die Gruppen in unserer Community, die häufig übersehen werden:
- von Rassismus betroffene Queers
- migrantische queere Personen
- trans Menschen, insbesondere trans Frauen
- nichtbinäre Menschen
- intersex Menschen
- neurodivergente Menschen
- be_hinderte queere Menschen
- queere Sexarbeiter*innen
- queere Menschen in der BDSM und Kink-Community
- polyamore und nicht monogam lebende Menschen
- asexuelle und aromantische Menschen
- weitere Gruppen, die wir hier vielleicht noch nicht extra benannt haben
Wir sind alle Teil der queeren Community, egal ob wir persönlich alle Lebensrealitäten verstehen oder nachvollziehen können oder nicht. Deswegen: seid neugierig und empathisch, lernt voneinander, geht aktiv in den Austausch und vertretet die Rechte mehrfach-marginalisierter Queers nach außen.
Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber reimt sich. Die Zeiten waren nie einfach, aber wir dürfen nicht aufgeben, uns nicht kleiner machen. Wir waren schon immer in den Augen der Gesellschaft und in den Augen des Faschismus unbequem. Und wir sollten es bleiben. Wir waren schon immer hier. Werden auch hier bleiben. Und dafür werden wir laut bleiben. Unbequem bleiben. Nicht aufhören darüber zu reden, mit Menschen zu reden. Heute zeigen wir, dass wir hier sind, um zu bleiben.
Rede von Leonie
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe queere Community, liebe Menschen aus Greifswald,
heute stehen wir hier bei der Pride – gemeinsam, sichtbar und laut. 🏳️🌈
Die Pride, ist für mich nicht einfach nur eine bunte Veranstaltung. Es ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass wir alle das Recht haben, so zu sein, wie wir sind. Zu lieben, wen wir lieben. Uns zu kleiden, wie wir möchten. Unsere Identität selbst zu bestimmen. Und unseren eigenen Weg zu gehen.
Aber wir dürfen auch nicht vergessen, warum wir heute hier sind.
Die Pride ist aus Protest entstanden. Aus dem Kampf von Menschen, die sich gewehrt haben, weil sie nicht länger versteckt, diskriminiert oder angegriffen werden wollten. Menschen, die mutig waren, obwohl sie Angst hatten.
Und dieser Kampf ist noch nicht vorbei.
Noch immer erleben queere Menschen Ausgrenzung, Beleidigungen, Hass und Gewalt. Noch immer gibt es Menschen, die sich nicht trauen, offen zu zeigen, wer sie sind. Manche haben Angst vor ihrer Familie. Andere vor ihrer Schule, ihrem Arbeitsplatz oder ihrem Umfeld.
Deshalb müssen wir heute nicht nur feiern.
Wir müssen auch zusammenhalten.
Wir müssen den Menschen eine Stimme geben, die selbst noch keine Stimme finden können. Wir müssen füreinander einstehen, wenn jemand beleidigt oder angegriffen wird. Und wir müssen zeigen: Du bist nicht allein.
An alle jungen Menschen, die vielleicht gerade überlegen, ob sie anders sein dürfen:
Ja. Du darfst.
Du musst dich nicht verstecken.
Du musst dich nicht dafür entschuldigen, wen du liebst oder wer du bist.
Du bist kein Fehler.
Du bist kein Problem.
Du bist ein Mensch – und du bist wertvoll.
Und an alle, die heute vielleicht zum ersten Mal bei eine Pride sind: Schaut euch um. Hier stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Unterschiedlichen Identitäten, unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Lebenswegen.
Aber heute verbindet uns etwas:
Wir wollen eine Welt, in der jeder Mensch frei leben kann.
Eine Welt, in der Liebe nicht erklärt oder gerechtfertigt werden muss.
Eine Welt, in der niemand Angst haben muss, Händchen zu halten.
Eine Welt, in der Kinder und Jugendliche wissen, dass sie mit ihren Fragen und Gefühlen nicht allein sind.
Eine Welt, in der Vielfalt nicht als Bedrohung gesehen wird, sondern als etwas, das unsere Gesellschaft stärker und schöner macht.
Deshalb lasst uns heute gemeinsam sichtbar sein.
Lasst uns tanzen, lachen, feiern und stolz sein.
Aber lasst uns auch morgen noch füreinander einstehen.
Wenn wir heute nach Hause gehen, nehmen wir diese Botschaft mit:
Liebe ist Liebe. Vielfalt ist keine Schwäche. Und niemand sollte sich dafür verstecken müssen, wer er oder sie ist.
Greifswald soll ein Ort sein, an dem Menschen sagen können:
Hier darf ich ich selbst sein.
Und wenn jemand versucht, uns einzureden, dass wir zu laut, zu bunt oder zu anders sind, dann antworten wir gemeinsam:
Wir sind nicht zu viel. Wir sind genau richtig.
Für Freiheit. Für Gleichberechtigung. Für Vielfalt. Für Akzeptanz. Für Liebe. Und vor allem: Füreinander.
Happy Pride , Greifswald! 🏳️🌈❤️
Lasst uns gemeinsam sichtbar bleiben – heute, morgen und jeden Tag.
Rede von rat+tat
Liebe Queers, liebe Allys, ein herzliches Hallo aus Rostock und einen großen Dank dafür, dass wir euch heute über die Audiospur zugeschaltet sein dürfen.
Das Wahlergebnis zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern steckt uns, glaube ich, noch allen in den Knochen. Und das geht nicht nur mir so, sondern ich weiß, auch ganz vielen anderen queeren Leuten stellt sich aktuell die Frage: Wie gehen wir damit um? Was machen wir jetzt? Denn es muss uns als Community beunruhigen, wenn eine Partei, die sich gegen queere Menschen stellt, die queeres Leben am liebsten aus Schulplänen und aus historischen Aufzeichnungen streichen möchte, die einfach so tun will, als hätte es uns nie gegeben, die stärkste Kraft in diesem Land wird.
Aber wir müssen das Positive sehen. Es hat bei dieser Wahl eine Mehrheit für eine Regierungskoalition gegeben, eine wahrscheinliche Regierungskoalition, die uns in diesem Kampf nicht nur beistehen will, sondern die wir auch – und das ist unser Auftrag – dazu drängen müssen, uns zu schützen. Denn das ist unser Auftrag. Unser Auftrag als queere Community ist, angesichts dieses Wahlergebnisses nicht zu verzweifeln und uns nicht zu verstecken, sondern rauszugehen: auf Veranstaltungen, wie ihr sie heute macht, aber auch, um dem politischen Raum deutlich zu machen, dass unsere Community Schutz braucht.
Denn der Umgangston – das brauche ich keinem von euch zu erklären – ist rauer geworden. Und auch wenn Greifswald und Rostock, wo rat+tat e.V. vor allem tätig ist, in einer ähnlichen Lage sind – wir sind Universitätsstädte, wir würden uns als Städte, glaube ich, auch eher als linksorientiert beschreiben –, sind wir doch auch vom ländlichen Raum umgeben. Und wir merken immer wieder, wie gerade queere Menschen, die im Umland unserer Städte leben, zu uns kommen, weil sie sich
hier geborgen fühlen, weil sie hier den sicheren Raum finden, den sie benötigen. Dadurch ist es auch eine Herausforderung, gehört zu werden – in den Städten, aber vor allem auch im ländlichen Raum.
Und um genau dieses Problem anzugehen, bin ich sehr glücklich, dass wir Anfang dieses Jahres einen neuen Landesverband gegründet haben, der genau diese beiden Aufgaben verbinden soll. Er soll zum einen das Forum für den Austausch sein, wo sich Greifswalder:innen und Rostocker:innen, Neubrandenburger:innen, Stralsunder:innen und Schweriner:innen treffen können und wo diejenigen, die in der queeren Beratung arbeiten oder beim CSD mitorganisieren, sich austauschen können: Was kann man besser machen? Wo kann man aus den Fehlern oder den Erfahrungen der anderen lernen? Und dieser Verband hat die Aufgabe, unsere Stimme im Land zu sein.
Denn das, liebe Freundinnen und Freunde, wird jetzt das Wichtigste sein: dass wir uns angesichts des Wahlergebnisses und einer AfD, die in ihrer politischen Kommunikation noch einmal aufdrehen wird, nicht unterkriegen lassen. Dass wir mit lauter, mit geeinter Stimme dem politischen Raum und der gesamten Bevölkerung sagen: Wir sind da, und wir gehen hier nicht weg, denn wir sind gerne hier. Und wenn dieser Verband das schafft, dann haben wir das Glück, dass die Vereine und die Strukturen vor Ort wieder das machen können, was sie am besten können – nämlich den Menschen vor Ort einen Raum zu geben, wo sie sich engagieren und wo sie sich sicher fühlen können.
Deswegen möchte ich euch in Greifswald zum Abschluss von allen Queers aus Rostock zurufen: Gemeinsam schaffen wir das!
Danke.
Patriarchat, Rassismus, Ableismus und die Fetischisierung ihrer Opfer
von trans* in Greifswald
Content-Warnung: Trans- und Queerfeindlichkeit, Rassismus, Ableismus, Sexismus und
Patriarchat, Fetischisierung und Objektifizierung, sexualisierte Gewalt
Beginn + Einführung:
Wir wollen uns heute mit einer bestimmten Form von Diskriminierung beschäftigen, nämlich der Fetischisierung von marginalisierten Menschen. Denn Fetischisierung ist kein Widerspruch zur Diskriminierung, sondern beide Aspekte gehen Hand in Hand. Es ist das Absprechen von Autonomie und Identität und reduziert gleichzeitig eine komplexe Person auf ein sexualisiertes Objekt.
Während trans Menschen politisch angegriffen werden, queere Menschen beleidigt und bedroht werden, Menschen mit Behinderung noch immer um gesellschaftliche Teilhabe kämpfen müssen und people of colour immer noch organisiert ausgebeutet werden, erleben viele von uns gleichzeitig etwas anderes: Fetischisierung.
Trans
Wahrscheinlich ist vielen von euch schon aufgefallen, dass trans Frauen häufig innerhalb Pornografie dargestellt werden und verglichen zu anderen trans Menschen fast schon „überrepräsentiert“ sind. Das ist kein Zufall, trans Frauen wird immer und immer wieder die eigene Identität abgesprochen und deren Autonomie nicht respektiert.
Sie werden häufig nicht als Frauen gesehen, sondern als verbotene Fantasie, die gleichzeitig sexualisiert und abgewertet wird. Frauen gelten in unser patriarchalen Gesellschaft ohnehin schon nicht als Subjekt, sondern als Objekt und diese doppelte Diskriminierung trifft trans Frauen umso mehr.
Transmaskuline Personen, insbesondere diejenigen, die weiblich gelesen werden, erfahren so eine Fetischisierung auf einer anderen Ebene. Oft werden sie als Frauen gesehen, die nur „verwirrt“ seien oder die sich von sexuellem Trauma entfernen wollen. Auch die Identität von nicht-binären Menschen wird nicht respektiert und gar nicht erst als reale Identität angesehen. Die Angreifbarkeit dieser Personengruppen wird durch
patriarchale Machtstrukturen ausgenutzt.
Queer
Auch bei anderen Personen der queeren Community werden diese Machtstrukturen ausgenutzt. Wenn junge queere Menschen keine sicheren Räume haben, wenn sie sich nicht offen ausprobieren können, wenn sie angst vor Ablehnung haben müssen, dann entstehen Abhängigkeiten. Manche ältere Menschen bieten Schutz, Erfahrung und Gemeinschaft. Das kann etwas Positives sein. Aber es gibt auch diejenigen, die genau diese Verletzlichkeit ausnutzen. Die wissen, dass Einsamkeit, Unsicherheit und fehlende safe spaces Menschen angreifbar machen. Wir müssen dafür sorgen, dass wir eine Community bilden, die zusammenhält. Wir müssen die Machtstrukturen, die diese Verletzlichkeit nicht nur ermöglichen, aber auch verursachen, gezielt abbauen.
Deswegen sind safe spaces so wichtig, um sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Jugendliche brauchen sichere Räume, um zusammenzufinden und sich mit Gleichaltrigen über Probleme und Erfahrungen zu unterhalten. Diese Freizeiträume für Jugendliche müssen gut betreut werden, brauchen soziale Angebote und sollten offen für Fehler und Kommunikation sein – alles, was eine junge Person zum Finden ihrer Identität braucht.
Behinderung
Diese Art von Diskriminierung begrenzt sich nicht auf LGBTQ+ Menschen, sondern betrifft alle marginalisierten Gruppen.
Behinderte Menschen brauchen aktiv einen Platz, wenn wir über Fetischisierung und Diskriminierung sprechen. Auf der einen Seite steht die gesellschaftliche Annahme, dass Menschen mit Behinderung keine Sexualität haben, kein Sexualleben führen oder keines führen sollten. Diese Unsichtbarmachung selbst ist schon Gewalt weil sie Menschen in eine Art dauerhafte Kindlichkeit oder Asexualität zwingt. Auf der anderen Seite wird behinderten Menschen die Autonomie abgesprochen, selbst über ihre Sexualität zu bestimmen und diese Hilflosigkeit wird aktiv ausgenutzt.
Wusstet ihr das Opfer mit kognitiver Einschränkung vor Gericht die Glaubwürdigkeit
abgesprochen wird, weil sie nicht in der Lage sind einem Protokoll zu folgen, welches für nicht-behinderte Menschen ausgelegt und demnach auch nicht barrierefrei ist?
Menschen mit kognitiven Einschränkungen haben es oft so schon extrem schwer überhaupt über Gewalt zu sprechen. Das ihnen weder geglaubt noch die Täter*innen bestraft werden ist weder hinnehmbar, noch gerecht.
Diese Spaltung zwischen Unsichtbarmachung einerseits und Fetischisierung andererseits ist kein Zufall. Sie kommt aus demselben ableistischen Denken, dass behinderte Menschen nie als vollständige, selbstbestimmte Menschen anerkennt.
Rassismus
Ich denke viele haben schon einmal davon gehört, dass deutsche Männer nach Thailand fliegen, um sich dort eine sogenannte „Thai-Frau“ zu suchen, weil asiatische Frauen als besonders gehorsam, fürsorglich und unterwürfig gelten.
Diese Frauen sind häufig vollkommen abhängig von ihrem Mann und sind so gezwungen, sich ihm zu unterwerfen. Das wird mit Absicht so ausgenutzt, damit sie in allen Belangen auf ihn angewiesen ist. Männer, die daraus einen Nutzen ziehen, sehen sich selbst als Opfer von Gleichberechtigung und Feminismus, weil FLINTA-Personen heutzutage kein Bock haben, sich den Erwartungen von Männern anpassen zu müssen. Genau hier treffen Rassismus und Patriarchat aufeinander. Gesucht wird nicht die einzelne Person, sondern die Fantasie einer Frau, die sich dem Mann unterordnet, sich für ihn aufopfert und ihm dient.
Diese Klischees stammen nicht aus dem nichts – sie haben ihre wurzeln in Kolonialismus, Versklavung und jahrhundertelanger rassistischer Propaganda
Fazit + Schluss
Wir haben kein Bock mehr drauf ständig auf Stereotype reduziert zu werden. Kein Bock drauf, angefeindet und gleichzeitig fetischisiert zu werden. Kein Bock drauf, dass unsere Körper, unsere Identitäten und unsere Leben für die Fantasien anderer herhalten müssen. Wir sind keine Kategorien. Keine Pornosuchbegriffe. Keine Fetische. Wir sind Menschen.
Egal ob Transfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit, Ableismus oder Rassismus, denn all das stammt aus demselben patriarchalen und rassistischen System. Ein System, das Menschen unterschiedlich bewertet, sie in Hierarchien zwingt und ihnen ihre Menschlichkeit abspricht. Wir kämpfen deshalb nicht nur für unsere Rechte, sondern aktiv gegen dieses System. Denn wir alle sind von ihm betroffen, und wir kämpfen für unsere Würde, Selbstbestimmung und ein Leben ohne Entmenschlichung.
Deshalb sind wir heute hier.
Wir sind hier für alle, die auf ihre Herkunft reduziert werden. Für alle deren Behinderung gegen sie verwendet wird. Für alle deren Queerness oder trans sein zur Fantasie anderer gemacht wird.
Wir sind hier und wir sind laut.
Und wir sind auch laut für diejenigen, die heute nicht hier sein können.
Für diejenigen, die Angst haben.
Für diejenigen, die unsichtbar gemacht werden.
Für diejenigen, die immer noch ausgegrenzt werden.
Denn solange Menschen entmenschlicht werden, dürfen wir nicht still sein.
Rede vom Poly*-Treff
Liebe Anwesende,
ich bin polyamor und manchmal fühlt sich das überfordernd, verwirrend und ziemlich einsam an. Und auch in der queeren Community fühle ich mich oft nicht gesehen und nicht erwünscht.
Deswegen haben wir den Poly*-Treff Greifswald gegründet. Bei unserem ersten Treffen vor ein paar Monaten dachten wir, dass vielleicht so fünf Leute kommen würden und dann kamen 30. Das hat uns überrascht und gefreut und zeigt uns, dass das Thema viele Menschen beschäftigt.
Wir sind ganz verschiedene Menschen, mit ganz unterschiedlichen Arten, Beziehungen zu leben. Ich kann und möchte nicht für uns alle sprechen, deswegen sind in dieser Rede auch Statements und Erfahrungsberichte von anderen Personen aus unserem Poly*-Treff eingeflossen.
Aber wovon rede ich eigentlich, wenn ich von poly* oder Polyamorie spreche?
Polyamorie bezeichnet die Praxis, mehrere Liebesbeziehungen zu führen, bei der alle Beteiligten voneinander wissen und dem zustimmen. Das gibt uns die Freiheit verschiedene Menschen um ihrer selbst willen zu lieben und vielfältige Arten der Liebe zu erleben. Liebe heißt hier nicht, dass all diese Beziehungen romantischer und/oder sexueller Natur sein müssen. Aromantische und/oder asexuelle Partner*innenschaften sind ebenso wertvoll und Teil der Poly*-Community! Das tolle an nicht-monogamen Beziehungen ist ja, dass jeder Mensch damit das persönliche Beziehungsgeflecht nach den eigenen Bedürfnissen gestalten kann.
In unserer Gesellschaft wird romantisch-sexuellen Beziehungen jedoch ein höherer Stellenwert und eine größere Priorität zugeschrieben als zum Beispiel Freundschaften. Das Konzept der Beziehungsanarchie hinterfragt diese sozial konstruierte Hierarchie von unterschiedlichen Beziehungsarten. Auch da geht es also um die Frage, wie möchte ich mit Menschen in Verbindung und Beziehung treten, wenn ich mich nicht von gesellschaftlichen Prägungen leiten lasse.
Wenn monogame Strukturen, und die scheinbare Sicherheit, die diese vermitteln, wegbrechen, eröffnet das ganz viele Möglichkeiten. Zum Beispiel sich mit den eigenen Beziehungsmustern und -ängsten auseinander zu setzen. Dabei lernen wir super viel über uns selbst und auch wenn das manchmal anstrengend ist, ist auch das ein Aspekt an Nicht-Monogamie, den wir schätzen. In unserem Poly*-Treff können wir uns in einem sicheren Raum über diese Lernprozesse austauschen und über unsere Erfahrungen sprechen. Aus der Gemeinschaft ziehen wir sehr viel Kraft und die ist auch wichtig, denn in der Realität ist leider nicht immer so viel Glitzer. Sondern auch Diskriminierung.
Das macht uns traurig und wütend. Wütend, wenn Kolleg*innen die offene Ehe einer anderen Person als eklig bezeichnen. Wenn sie sagen, da müsse sich die Person ja nicht wundern, dass sie krank sei. Das ist nicht nur diskriminierend gegenüber Menschen mit psychischen Krankheiten, das ist auch diskriminierend gegenüber Menschen, die nicht-monogam leben.
Traurig, wenn wir auf Fragen zum Beziehungsstatus ausweichend antworten müssen, obwohl auch wir gerne von allen Menschen erzählen wollen, die uns nah sind. Aber so – mit der Angst vor Diskriminierung – wird schon die Frage, was wir denn am Wochenende gemacht haben, zum Stolperstein.
Deshalb fordern wir:
- Mehr Sichtbarkeit! Auch in queeren Räumen!
Wenn egal ist, wen ich liebe, sollte auch egal sein, wie viele und wie. - Entpathologisierung und Aufklärung
Monogamie ist nicht die einzige gesunde Beziehungsform. Alle Menschen sollten die informierte Wahl treffen können und dürfen, sich für oder gegen Monogamie zu entscheiden. - Verantwortungsgemeinschaften – und hier werden wir politisch – als Alternative zu Ehe und Verwandtschaft. Damit auch Freund*innen und Wahlfamilien rechtlich füreinander Verantwortung übernehmen können!
- Und ganz wichtig: Mehr Mut zur Liebe!
Wenn Du mit Deinem Mut zur Liebe nicht allein sein möchtest, Fragen hast oder einen Zeh ins sprichwörtliche kalte Wasser halten willst, bist Du beim Poly*-Treff herzlich willkommen.
Wir treffen uns alle zwei Wochen, sprechen über Nichtmonogamie, Liebe, Wut oder spielen Cards Against Humanity (die tiny tiny tiny tiny version). Wenn ihr wissen wollt, wann und wo unser nächstes Treffen stattfindet, sprecht uns oder das Orga-Team der Pride gern heute an. Oder schreibt uns eine Mail an poly_duct@gmx.de. Dankeschön!
Über Geschichten und Geschichte
von Qube
Heute möchte ich über queeren Aktivismus und Community reden. Über queere Geschichten und queerer Geschichte und wofür wir das alles eigentlich machen. Vor fast ziemlich genau 57 Jahren begannen die Stonewall Riots in New York City. Nachdem mehrere gewaltvolle Polizeirazzien in unterschiedlichen Lokalen mit queerer Kundschaft zuvor durchgeführt wurden traf es 1969 auch wieder das Stonewall Inn. Es folgte ein Aufstand, der nicht nur mehrere Tage anhielt, sondern rüttelte die Welt damals auf. Zeigte ihr ganz genau auf, dass queere Menschen nicht nur im Verborgenen existierten, sondern auch den Mut hatten, Raum einzunehmen und für ihre Rechte zu kämpfen. Wir stehen hier, weil vor uns schon Menschen genauso hier standen. Queere Menschen waren schon immer da, für immer hier. Wir erinnern Stonewall, weil die moderne LGBTQIA+-Bewegung vorangebracht hat. Uns ermöglicht hat, für unsere Menschenrechte zu kämpfen und uns Gehör zu verschaffen. Doch es sind nicht nur unsere juristischen Rechte, für die wir kämpfen, es ist nicht nur Stonewall, das für uns zählt. Wir kämpfen für Gemeinschaft, Anerkennung und Zugehörigkeit. Wir tragen unsere lebendige queere Geschichte in uns. Nicht nur durch große geschichtliche Ereignisse, sondern auch durch unsere eigenen Erfahungen, Geschichten und Vorbilder.
Ich lebe seit über zehn Jahren in Greifswald, hatte mich innerhalb der Zeit als als queer geoutet und mich nach einer Community gesehnt. Ich kenne nicht alle Geschichten derer, die vor mir kamen, doch nach all der Zeit sind viele Geschichten von verschieden Gruppen bei mir hängen geblieben, vor allem von denen, bei denen ich selbst dabei war, oder zumindest nah dran war. Ich möchte euch heute ein wenig davon erzählen. Eine Gruppe, in der ich mich zum Beispiel engagiert habe war/ist Qube. Qube wurde 2016, also vor zehn Jahren, als Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt gegründet und aufgebaut. An queeren Initiativen gab zu dem Zeitpunkt nur das Aktionsbündnis Queer, das unter anderem noch immer jährlich den IDAHOBITA gestaltet und die Gender Trouble AG (GTAG) der Universität. Qube hat queere Bildung anhand von Workshops an Schulen und Erwachsenenfortbildungen geleistet, aber auch andere Veranstaltungen und Workshops geprägt, die mir immer noch sehr im Kopf und im Herzen bleiben werden. Mir wurde damals erstmals und mehrmals eine Bühne gegeben, bei der ich zum Beispiel meine Musik einbringen durfte. Wir durften unsere Kreativität, unsere Perspektiven und Ideen teilen. Es wurde sich mit Antirassismus, Barrierenabau und Mehrfachdiskriminierung auseinandergesetzt. Zehn Jahre voll mit queeren Leben, queeren Veranstaltungen, Empowerment- und Safer Spaces für die wir dankbar sind. Ein Raum von queer/trans Personen für queere/trans Personen. Es mag nicht in die Weltgeschichte eingehen und doch sind es die Geschichten, die ich mit weitertragen, weitererzählen möchte. Am Ende unserer Projektförderung ist Qube mittlerweile inaktiv geworden. Nicht, weil wir diesen Raum, den wir damals eingenommen hatten, nicht mehr wollen, sondern weil sich vieles verändert hat. Nicht nur wir haben damit zu kämpfen, motiviert und energievoll zu bleiben. Neue Menschen zu finden, wenn andere Lebensumstände einige von uns in eine andere Richtung verschlägt. Ein Teil hat tin*mv mit aufgebaut. Ein anderer Teil hat die Pride Greifswald in den Anfängen mitgestaltet und mit aufgebaut. Ich bin mir sicher, jede queere, ehrenamtliche aktivistische Gruppe kann ein Lied von fehlenden Kapazitäten singen, wie mit der Zeit immer Menschen kommen und gehen. Wenn es darum geht, gemeinschaftliche Dinge aufzubauen, ist es in einer Zeit, in der Ehrenamt vom System nicht genügend gewertschätzt wird, schwierig.
Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, wissen nicht, ob Qube es aus der Inaktivität nochmal hinausschafft, aber wir wissen, dass wir dankbar für alle Menschen sind, die sich für queere Ziele weiterhin einsetzen. Egal wie sich Konstellationen verändern, wie ermüdend unsere Arbeit manchmal auch sein kann: nichts davon war oder ist umsonst, nichts geht für immer verloren. Wir sind hier, weil wir als queere Gemeinschaft immer das Bestreben haben werden, uns unsere Räume zu schaffen, uns Raum zu geben. Weil wir schon immer hier waren und da sein werden. Selbst wenn unsere Erinnerungen und Geschichten eines Tages verloren gehen sollten, bleibt eins für immer: Wir sind nie allein. Verbündet euch. Erzählt eure Geschichten weiter, macht euch Platz. Vergesst nie, dass selbst in einer hoffnungslos wirkenden Welt, die immer mehr spaltet, ihr euch gegenseitig habt. Verschafft euch Gehör, hört einander zu unterstützt euch auf die Art und Weise, wie ihr es könnt. Wir kämpfen nicht nur für unsere Existenz, wir kämpfen für ein Leben, das gelebt werden will.
Rede von der tin* Beratungsstelle
Hallo! Erstmal möchte ich sagen, wie schön es ist, heute diesen Raum und die Straße mit euch zu teilen. Ich halte heute einen Redebeitrag für die TIN* Beratungsstelle MV – eine Beratungsstelle für trans*, inter* und nichtbinäre Personen, deren Angehörige, Menschen, die sich noch nicht sicher sind, ob sie trans*, inter* oder nichtbinär sind… Und Menschen, die sich zu dem Thema weiterbilden möchten.
Dass es diese Beratungsstelle überhaupt gibt – und sie vom Land finanziert wird – ist für uns eingroßer Gewinn. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in MV relativ wenige Beratungsstellen und queere Strukturen, und die, die es gibt, werden oft ehrenamtlich getragen. Wir könnten, ohne die ehrenamtlichen Teams von beispielsweise rat+tat, rosalila und TIM*, den Bedarf gar nicht decken.
Seit wir 2025 mit der Beratung begonnen haben, waren 46 ratsuchende Personen bei uns, und wir haben 70 Beratungen durchgeführt, beziehungsweise mittlerweile mehr. In diesen Beratungen zeigt sich, was viele von uns ohnehin wissen: es fehlt an Fachärzt*innen, an Unterstützung im Umgang mit Krankenkassen und an Ressourcen. Nur, dass man eben nicht mehr durch diverse Foren klicken muss, in der Hoffnung, die Erfahrungswerte anderer Person seien allgemein gültig, sondern es einen Ort gibt, an den man gehen kann, oder wo man anrufen kann, mit Personen, die zu dem Thema weitergebildet sind.
Und obwohl es jetzt viel größere Sichtbarkeit gibt, gibt es doch auch negative Entwicklungen. Wir können weltweit einen Anstieg an Queerfeindlichkeit beobachten, insbesondere Transfeindlichkeit, die sich in den USA und im UK durch Gesetzgebungen nachvollziehen lässt. Es wäre naiv, anzunehmen, in Deutschland wäre es anders. In Deutschland, wo regierende Politiker*innen das Erkennungszeichen queerer Personen als lächerlich begreifen, in Deutschland, wo nahezu jede Woche ein neues Feindbild heraufbeschworen wird, seien es Bürgergeldempfänger*innen, migrantische Personen, Studierende, Personen mit Behinderungen.
Und davon sind insbesondere diejenigen von uns, die mehrfachmaginalisiert sind, betroffen. Zum Beispiel Schwarze trans Frauen. Ein Blick in die Statistiken verrät uns auch, dass Personen, die Diskriminierung erfahren, ein höheres Risiko haben, körperlich oder psychisch zu erkranken. Weil Diskriminierung krank macht (beziehungweise krank machen kann). Und eine Zeit zu durchleben, in der Errungenschaften auf der Kippe stehen, in der man merkt, dass man nur geduldet war, und nicht erwünscht, ist schwer.
Und trotz alledem Blicken wir zurück auf eine Community, die schon vieles überstanden hat. Auf Menschen, die füreinander da sind. Menschen, die hier, jetzt, miteinander einstehen. Menschen, die im Herzen dabei sind, aber heute nicht hier sein können. Die sich stark machen füreinander und sich gegenseitig schützen. Und das können wir weiterhin tun, das können wir weiterhin sein. Ob unter Freund*innen, auf Demonstrationen, oder im Alltag: We‘re still here, we‘re still queer. Und wir passen aufeinander auf.
Rede vom Schulstreikbündnis Greifswald
Hallo erstmal! Ich bin Connor und komme vom Schulstreikbündniss Greifswald.
Ich bin hier, weil wir laut sein müssen, denn Merz und co. haben nur ein Ohr für die Reichen und Kriegsbefürworter*innen nicht aber für uns Schüler*innen. Aber selbst wenn Merz zuhören würde, dann hätte er immer noch seine politischen Gründe, die Jugend in den Schützengraben zu schicken. Auf das, was wir sagen, kommt es ihm gar nicht an, den ein Staat hat die Macht, seine Bevölkerung zu zwingen.Auf uns hat er es jetzt genau abgesehen, er will uns als sein Kanonenfutter!
Mit Hilfe von Flyern; Plakaten; Werbung in kostenlosen Hausaufgabenheften und Besuchen von Klassen wirbt die Bundeswehr in Schulen. Es wird mit kostenlosem Führerschein, Geld und Patriotismus geworben aber, dass während des Wehrdienstes Vielfalt, Diversität und Selbstbestimmung durch Camouflage und Befehl ersetzt wird, erwähnen sie nicht.Das tuen sie bewusst, aus Hoffnung, dass wir blind für sie in den Krieg ziehen.
Inzwischen dürfen zwar auch queere Menschen für Deutschland ihr Leben riskieren, für ein Deutschland in dem man im Zug dumm an gemacht, in der Schule gemobbt und im Internet belächelt wird, nur weil man nicht heteronormativ aussieht, denkt und ist. Für dieses Land den Krieg mit einläuten? Für dieses Land töten?
Wieso sollten wir uns denn überhaupt vorbereiten, um im Krieg für Deutschland durch Befehle anderer zu töten? Denn im Grundgesetz Art 26 (1) steht:Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.
Das heißt, Deutschland darf sich nur verteidigen und nicht selber angreifen.
Aber auch Verteidigung ist Mord! Die, auf die wir dort schießen sollen, sind genau so wie wir. MENSCHEN, Menschen die unschuldig sterben da unsere Staatsoberhaupte, obwohl sie dazu fähig währen, anscheinend nicht verhandeln können und einen Konflikt lieber mit Gewalt und Opfern lösen.
Aber der Frieden in einer Welt konkurrierender Nationalstaaten ist ein entschiedenes Gewaltverhältnis und wenn ein Nationalstaat der Meinung ist, mit seiner militärischen Gewalt dieses Gewaltverhältnis für sich verbessern zu können und zu wollen, dann führen die halt Krieg.
Gewalt ist für Staaten halt eine Lösung, denn als oberste Gewalten über ihre Gesellschaft und akzeptieren sie nur ihre Gewalt. (Gewaltmonopol)
Aber wir haben es, anders als unsere Regierung, im Kindergarten gelernt, Gewalt ist keine Lösung!
Aber warum soll ich für dieses Land sterben? Ein Land in der es so viel Armut gibt, welches die Umwelt zerstört und für mich und meine Mitschüler*innen eine düstere Zukunft bereithält. Für ein Land, dessen Bildungssystem mich seit 9 Jahren mit Noten unter Stress setzt damit meine Zukunft nach der Schule so aussieht:
Mindestens 45 Jahre, 40h die Woche Arbeit für die Bereicherung eines Unternehmers mit einem Lohn der für viele Menschen in diesem Land kaum ausreicht, notwendige Ausgaben wie Steuern, Versicherungen, Miete oder Lebensmittel zu decken. Für dieses Land riskiere ich ganz sicher nichts!
Und deswegen sind wir hier, um uns gegen ihren Krieg zu wehren! Wir sterben nicht in euren Kriegen.
Rede von PaliSoli
Immer wieder wird Israels Morden in Palästina, im Libanon und an unzähligen weiteren Orten mit der angeblichen Barbarei der Palästinenser oder der Muslime begründet. Queere Menschen würden in Gaza von Dächern geworfen, mit den Frauenrechten sehe es auch schlecht aus und überhaupt sei die Kultur des jeweiligen Feindes nicht mit der „westlichen Kultur“ vereinbar, die notwendige Konsequenz also ein Vernichtungskrieg gegen diesen Feind. Weil wir die Guten sind, sind auch unsere Kriege gut und weil sie die Barbaren sind, sind ihre Toten notwendig. So ungefähr lässt sich das Narrativ der westlichen Imperialisten von Israel, über die USA und Deutschland zusammenfassen.
Dass diese Begründungen vorgeschoben und die „westlichen Werte“ eine Lüge sind muss ich euch nicht erklären. Mann kann nicht von „unseren Werten“ reden, während man Menschen, verbrennt, foltert und erschießt. Man kann nicht von „unserem Wohlstand“ reden, während man Menschen zu tausenden auf der Straße leben lässt und zu Millionen in die Altersarmut schickt. Man kann auch nicht von Pressefreiheit reden wenn man Einen Journalisten wie Hüseyin Dogru für seine Berichterstattung zu Palästina samt seiner Familie ohne jeden Gerichtsprozess sanktioniert und so defacto 6 Personen davon 5 unbeteiligte zum Verhungern verurteilt. Und man kann Queeren Personen nicht an den Kopf werfen „in Palästina würdet ihr aber ermordet werden“ wenn man gleichzeitig tagtäglich queere Menschen bombardiert und ihre Rückzugsorte vernichtet so wie vor kurzem im Libanon.
Es ist das offensichtliche Ziel dieser Propaganda uns zu spalten und so unseren Widerstand gegen ihre Völkermorde und Kriege zu schwächen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns nicht spalten lassen, dass wir unsere gemeinsamen Interessen erkennen und unsere Kämpfe verbinden. Der Kampf um die Queere Befreiung, Der Kampf für ein Freies Palästina, Der Kampf gegen die Angriffe auf unser Rechte als ArbeiterInnen, Und der Kampf gegen die Kriegsvorbereitungen des Deutschen Staats gehören zusammen und lassen sich nur im Verbund zum Erfolg führen.
Wenn wir diese Kämpfe zum Sieg führen wollen dann dürfen wir dafür nicht die Einheit aller Linken anstreben. Denn es sind nicht zuletzt angeblich „Linke“ Parteien und Organisationen die uns genauso wie die „rechten“ Parteien in den nächsten Krieg schicken würden und die für die jetzige Situation überhaupt erst verantwortlich sind. Stattdessen müssen wir die Einheit als ArbeiterInnen im Kampf für unsere gemeinsamen Interessen anstreben und zwar unabhängig von ihrer jetzigen politischen Orientierung. Im gemeinsamen Kampf am Arbeitsplatz können wir unseren KollegInnen am besten erklären warum Rassismus und Queerfeindlichkeit nur im Interesse unserer Unterdrücker sind und warum wir uns mit unseren Queeren oder migrantischen KollegInnen verbünden müssen. Darum gilt für uns die Parole: Raus aus der Szene, Rein in die Klasse!